Eine spezifische (isolierte) Phobie ist eine ausgeprägte, anhaltende Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation. Häufige Inhalte bei Kindern und Jugendlichen sind:
Der Kontakt mit dem gefürchteten Objekt löst unmittelbar eine starke Angstreaktion aus – bis hin zur Panik. Bei Kindern kann sich die Angst auch durch Weinen, Wutanfälle, Erstarren oder Anklammern äußern. Die Situationen werden vermieden oder nur unter starker Angst ertragen. Jugendliche erkennen meist, dass die Angst übertrieben ist; bei jüngeren Kindern ist diese Einsicht nicht erforderlich.
Eine Besonderheit ist die Blut-Spritzen-Verletzungs-Phobie: Hier kann es nach einem kurzen Anstieg von Puls und Blutdruck zu einem Abfall kommen – bis zur Ohnmacht. Die Behandlung wird deshalb um die Technik der "angewandten Anspannung" (Muskelanspannung gegen den Blutdruckabfall) ergänzt.
Viele Ängste gehören zur normalen Entwicklung und verschwinden von selbst: Angst vor Fremden im Säuglingsalter, vor Dunkelheit, Monstern und Gewittern im Vorschulalter, vor realen Gefahren und sozialer Bewertung im Schulalter. Behandlungsbedürftig wird eine Angst erst, wenn sie über die entwicklungstypische Ausprägung deutlich hinausgeht, lange anhält und das Leben einschränkt – zum Beispiel, wenn ein Kind wegen seiner Hundeangst nicht mehr draußen spielen oder den Schulweg nicht mehr gehen kann.
Spezifische Phobien gehören mit einer Häufigkeit von etwa 5 bis 10 Prozent zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Viele Phobien beginnen früh, im Mittel um das 7. Lebensjahr.
Entstanden ist die Angst auf unterschiedlichen Wegen – aufrechterhalten wird sie fast immer gleich: durch Vermeidung. Wer das gefürchtete Objekt konsequent meidet, erlebt zwar kurzfristig Erleichterung (negative Verstärkung), verhindert aber die Erfahrung, dass die Situation zu bewältigen ist und die befürchtete Katastrophe ausbleibt. Die Angst bleibt konserviert und weitet sich oft aus: Aus der Angst vor großen Hunden wird die Angst vor allen Hunden, dann die Angst vor dem Park, in dem Hunde sein könnten.
Spezifische Phobien sind sehr gut behandelbar. Die Methode der Wahl ist die Exposition (Konfrontation) – sie gehört zu den wirksamsten Verfahren der gesamten Psychotherapie. Oft genügen wenige Sitzungen:
Wichtig zu wissen: Exposition wird immer gemeinsam geplant, ist transparent und findet nie gegen den Willen des Kindes statt. Das Kind wird nicht "ins kalte Wasser geworfen", sondern erobert sich seine Freiheit Stufe für Stufe selbst zurück – das stärkt nebenbei das Selbstwirksamkeitserleben.
Ratgeber Ängste im Kindes- und Jugendalter. Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher (S. Schneider, J. Wolke)
Nur keine Panik! Was Kids über Angst wissen sollten (C. A. Essau, J. Petermann)
Leitlinie Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen (AWMF 028-022)
Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen (S. Schneider)
Expositionsbasierte Therapie der Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen (S. Schneider, T. In-Albon)